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Bella versucht zu lieben und übt sich in der paradoxen Logik

Veröffentlicht am 01.09.2017

Schon seit einiger Zeit beschäftigt sich Bella mit dem „Problem“ der Liebe. Insbesondere seit sie versucht, sich in die Yogapraxis zu vertiefen, wird ihr immer mehr bewusst, dass es bei diesem „Problem“ weniger um das Objekt der Liebe, als vielmehr um das Problem der Liebesfähigkeit geht.

Als Ausgangspunkt ihrer theoretischen Betrachtung zum Thema der Liebesfähigkeit unterscheidet Bella zwischen zwei verschiedenen Arten zu lieben. Zum einen die Liebe, die mit einer Vorliebe bzw. Abneigung einhergeht und insofern immer mit einer gewissen Anhaftung an das Geliebte verbunden ist. Ich liebe Kaffee und hasse Tee oder ich liebe den Geruch dieses Mannes, während ich einen anderen Mann nicht riechen kann usw.. Zum anderen, so meint Bella, können wir eine Fähigkeit des Liebens entwickeln, die frei von einer solchen Anhaftung ist. Diese Art zu lieben scheint sich zwar in einem gewissen Sinne auch auf ein geliebtes Objekt zu richten, doch welche Rolle dieses Objekt im Liebesspiel genau spielt, liegt zunächst noch völlig im Dunkeln und wird deshalb im Folgenden zum Thema von Bella’s Überlegungen zur Liebesfähigkeit.

Ich glaube, dass der Unterschied zwischen Liebe ohne Anhaftung und Liebe mit Anhaftung in einem veränderten Blickwinkel liegt, der uns nicht so einfach vonstatten geht.

Die Vorliebe oder die anhaftende Liebe geht meines Erachtens auf ein anderes, auf ein von mir Begehrtes und Abgetrenntes. Ich glaube, diese Liebe ist das Bedürfnis, das Getrenntsein und die damit zusammenhängende Angst, zu überwinden. Das Begehren des Anderen versucht auf diese Weise an der Erfahrung der Einheit zu kosten.

Die Liebe ohne Anhaftung scheint dagegen irgendwie identisch mit dem geliebten Objekt zu sein. Doch hier beginnt nun eben das leicht Verwirrliche. Für die Dynamik, die sich in dieser freien Liebe abspielt, scheinen nämlich die Kategorien „Identität“ oder „identisch“ nicht zu greifen. Denn dieses sogenannte Identische scheint viel mehr alles oder besser gesagt das Viele zu sein und zwar das Viele, das doch zugleich auch ein einziges ist. Diesen Kategorienswitch scheinen wir nur zu begreifen, wenn wir irgendwie versuchen, unseren Blick zu verändern. Dieses Problem wird im Psalm Salomos auf eindrückliche Weise geschildert:

Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn,  
den meine Seele liebt.  
Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen,
die Gassen und Plätze,
ihn suchen, den meine Seele liebt.
Ich suchte ihn und fand ihn nicht.

Ich glaube dieses Suchen und nicht Finden ist der Kern der Liebe ohne Anhaftung. Es ist in diesem Sinne eine paradoxe Angelegenheit und das ist gut so! Wir müssen also nicht daran verzweifeln, aber wir können natürlich! Das Suchen und nicht Finden kann mich dann zur Verzweiflung treiben, wenn ich davon ausgehe, dass es zwei sind, das, was Sucht und das, was gesucht wird und dass das eine nicht gleichzeitig auch das andere sein kann. Es könnte nun sein, dass die Verzweiflung von diesem Blickwinkel aus gesehen noch schlimmer wird. Denn aus dieser Sichtweise heraus kann auch das Gesuchte nicht zugleich das Nicht-Gesuchte sein. Doch genau das, so meine ich, wäre nötig, wenn es um Liebe ohne Anhaftung geht, bei der ich suche und bei der es doch nichts zu finden gibt. Dies zu verstehen benötigt, wie ich meine, einen Wechsel unseres Blickwinkels und diese andere Art zu Sehen liebt das Paradox, so dass wir freudig ausrufen können: Es ist, und es ist nicht!

In diesem Zusammenhang verweist Erich Fromm in seinem Buch Die Kunst des Liebens auf einen Spruch von Lao-tse:

Was du nicht siehst, so sehr du danach schaust, des Namen ist: plan.

Was du nicht hörst, so sehr du danach lauschest, des Name ist: heimlich.

Was du nicht fängst, so sehr du danach greifst, des Name ist: subtil.

Diese drei kannst du nicht weiter erkunden;

Wahrlich chaotisch sind sie zum Einen verbunden.

Es scheint, dass der veränderte Blickwinkel darin besteht, dass wir versuchen, unser dualistisches Denkschema zu durchbrechen und ich glaube, genau das tun wir tatsächlich immer, quasi automatisch, wenn wir lieben ohne anzuhaften. Das „Geheimnis“ der harmonischen, kampflosen oder freien Liebe liegt demnach eben genau nicht in der Aufhebung der Zweiheit oder in der Aufhebung der Gegensätze. Ganz im Gegenteil, scheint es gerade in der Einheit der in ihr enthaltenen Gegensätze zu liegen. Dies bedeutet für mich, dass wir sehr gründlich darüber nachdenken müssen wie wir denken, um dieses Denken im spirituellen Prozess transzendieren zu können. Man darf das keines Falls unterschätzen! Denn der Widerspruch ist eine Kategorie des menschlichen Geistes. Insofern wir nämlich normaler Weise immer entweder das Eine oder das Andere sehen. Die Liebe, frei von Anhaftung, muss aber gerade frei von diesen Gegensätzen sein. Diese Liebe macht uns zu Suchenden, die nicht finden und die eine unstillbare Sehnsucht fühlen. Doch ich glaube die Möglichkeit besteht tatsächlich, dass diese Sehnsucht still oder zumindest ruhiger wird. Ich nehme an, sie wird nie verlöschen, doch sie wird sich wandeln in ein glückliches Nichtfinden, in ein glückliches Warten. Dieses Warten wird ruhig und glücklich sein, denn das Höchste und Letzte wird dabei irgendwie gefühlt. Der Psalm des Salomos scheint dies folgendermassen auszudrücken:

Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt.
Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel.

Mich fanden die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt.
Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?
Kaum war ich an ihnen vorüber,  
fand ich ihn, den meine Seele liebt.

Bella