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Szenen einer Ehe

Veröffentlicht am 09.02.2016

Die Ehe bietet uns eine Möglichkeit nicht allein zu sein. Die Ehe versichert uns gewissermassen das Sein mit einem anderen. Diese Versicherung der Zweisamkeit drückt sich, zu einem nicht zu unterschätzenden Teil, in sprachlicher Form aus.

In der Ehe beginnen wir sozusagen ein sprachliches Netz aufzubauen. Man könnte auch sagen, wir spielen ein Sprachspiel mit unserem Partner oder mit unserer Partnerin, welches bestimmten Regeln folgt, die uns auf den ersten Blick vor allem Sicherheit in der Verständigung bieten. Auf den zweiten Blicke sind diese partnerschaftlichen Sprachspiele mit ihren Regeln aber viel mehr: sie stellen den Verstehenskodex dar, der unser Vertrauen zum anderen Menschen besiegelt. Die Ehe ist auf diesem Verstehenskodex oder man könnte auch sagen auf einem Vertrauenskodex aufgebaut, der durch ein Netz aus gemeinsamen Bedeutungen und Regeln getragen wird. Doch dieses Netz ist anfällig auf Verletzungen und nur der kleinste Riss kann das gesamte Verstehensnetz zum kollabieren bringen. Vertrauen ist brüchig. Selbst wenn nur ein kleines Element dieses Netzes entfernt wird – es mag tatsächlich ein unglaublich kleines, noch nie bemerktes Element sein – bricht alles in sich zusammen. Ein Wort, welches früher auf freudvolles, verstehenwollendes Verständnis stiess und so das Vertrauensnetz stärkte, reisst nun plötzlich alle Fäden ein. Was in solchen Momenten bleibt ist vor allem Irritation, Verletzlichkeit und Einsamkeit. Der Wille zum Anderen ist vielleicht noch da, doch er hat keine Kraft mehr und Intimität wird plötzlich zur nicht mehr heilbaren Distanz.

Bella